Die Fürstenallee bei Oesterholz-Haustenbeck

Eine Allee im Wandel der Zeit

Fürstenallee Schlangen Baumpflanzaktion am Tag der Allee 20. Oktober 2012
Fürstenallee Schlangen Baumpflanzaktion am Tag der Allee 20. Oktober 2012
Die überregional bekannte Fürstenallee in Schlangen beschäftigt uns an dieser Stelle und wir konnten Fritz Weitner unser Mitglied im CDU Gemeindeverband Schlangen gewinnen, einen Bericht zu schreiben. Fritz Weitner war bis Dezember 2008 Mitglied des Kreistages Lippe, Mitglied im Umweltausschuss Lippe, Mitglied im großen und im kleinen Arbeitskreis und bis 2009 Vorsitzender des Heimat und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck e.V. :


Die Fürstenallee im Zentrum einer historischen Umgebung

Am östlichen Rand der Senne liegt Oesterholz-Haustenbeck, ein kleiner Ort mit langer und großer Geschichte. Bereits vor 4000 Jahren haben hier Menschen gelebt. Auch war der Ort einst ein Knotenpunkt zahlreicher alter, bedeutender Verkehrswege. Die Fürstenallee ist die einzige bis heute erhaltene vierreihige Allee im Kreis Lippe mit bundesweiter Bedeutung. Sie gilt als ein herausragendes barockes Zeitzeugnis.

Ein Blick in ihre Vergangenheit

Gepflanzt wurde die Eichenallee in der Zeit von 1725 bis 1730 von Simon Heinrich Adolf, Graf zu Lippe. Ihre Anpflanzung verdankt sie ohne Zweifel dem ehemaligen Jagdschloss Oesterholz das dem Haus Lippe zu repräsentativen Zwecken diente.

Die Allee mit ihrem seitlich am Hauptweg entlanggeführten Sommerwegen hatte aber auch einen praktischen Nutzen. Die Reisenden waren in der fast baumlosen Sennelandschaft vor Wind und Wetter geschützt. Bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts galt die Straße entlang der Fürstenallee als gut ausgebaut, was auf das Chausseeprogramm von Fürstin Pauline zu Lippe (1769-1820) zurückzuführen war.

Ihren Namen bekam die Allee nach 1789, denn erst in diesem Jahr wurde das Land Lippe Fürstentum. Davor war die Fürstenallee bei der Bevölkerung als Oesterholzer Allee bekannt.

1926 wurde die Allee zum Naturdenkmal erklärt und 1995, fast 70 Jahre später, in die Baudenkmalliste der Gemeinde Schlangen aufgenommen.

Gegenwart und Blick in die Zukunft

Die Fürstenallee mit ihrem fast 300 – jährigen Baumbestand ist ohne Handeln des Menschen dem Zerfall preisgegeben. Krankheiten bei den Bäumen, verstärkt auftretende Starkwetterereignisse und Schadimmissionen haben in den letzten Jahren diesen Prozess beschleunigt.

Es lag also nahe, mit Blick in die Zukunft gerichtet, Szenarien und Lösungen zu entwickeln, um den Fortbestand dieser einzigartigen Allee langfristig zu garantieren.

Schon 1993 hat der Kreis Lippe ein Sanierungskonzept unter Vorsitz von Hans Winter (damaliger Gemeindedirektor der Gemeinde Schlangen) erarbeitet.

Auf der Grundlage von diesem Konzept wurden in der Zeit von 1997 bis 1999 in drei Abschnitten Gefahrenbäume gefällt. In die vielen Lücken wurden neue Bäume gepflanzt.

In den folgenden Jahren musste man jedoch erkennen, dass die Sanierung nur in Teilen erfolgreich war.

Im Jahre 2003 stürzten dann sechs Altbäume bei einem Orkan um. Dieses Ereignis und die Rückschläge bei den Neuanpflanzungen führten dann dazu das Konzept neu zu überdenken.

Angestoßen durch den Heimat- und Verkehrsverein Oesterholz-Haustenbeck e.V., unter dem damaligen Vorsitzenden Herrn Fritz Weitner, wurden die ersten Überlegungen hierzu der Öffentlichkeit Anfang 2004 bei der Auszeichnung der Fürstenallee zur „Allee des Monats“ präsentiert.

Diese hatten zum Inhalt, die Allee möglicherweise in größeren Abschnitten radikal zu erneuern, statt immer wieder nachzubessern und damit letztlich den Alleecharakter aufs Spiel zu setzen.

Diese Gedanken, verbunden mit der Idee für den Weiterbestand der Fürstenallee ein langfristiges Handlungskonzept entwickeln zu lassen, wurden im Juni 2004 dem Umweltausschuss des Kreises Lippe im Rahmen einer Bereisung vorgestellt. Da Fritz Weitner zum damaligen Zeitpunkt auch Mitglied im Kreisumweltausschuss war, konnten die Vorstellungen aus einer Hand dem Kreisumweltausschuss vorgetragen werden.

Unterstützt durch den Umweltausschuss hat der Kreis Lippe im Dezember 2004 ein Gutachten zur Untersuchung sämtlicher Bäume der Allee in Auftrag gegeben.

Die Ergebnisse wurden im Sommer 2005 präsentiert. Danach standen von den knapp 1320 Stieleichen noch 990 Bäume. 80 Bäume wurden vom Gutachter als kurzfristig abgängig eingestuft.

Aus Gründen der Verkehrssicherheit gab im Sommer 2006 der Kreis Lippe zirka 30 Bäume davon zur Fällung frei.

Bedeutung für besonders streng geschützte Tierarten

Die Fürstenallee mit ihren Altbäumen weist ein außergewöhnlich hohes Angebot an Höhlen und ökologischen wertvollem Biotopholz auf. Gerade deshalb war eine entomologische (Insekten) und avifaunistische (Gesamtheit aller in einer Region vorkommenden Vogelarten) Untersuchung wichtig. Beauftragt wurde damit die Biologische Station Lippe e.V.

Die Ergebnisse wurden im September 2005 präsentiert. Demnach ist die Bedeutung der Fürstenallee für besonders und streng geschützte Tierarten eher gering.

Arbeitskreise

Die Erarbeitung der Entwicklungsplanung und des Handlungskonzeptes erfolgte in Arbeitskreisen mit den Trägern öffentlicher Belange. Die Sitzungen wurden im Kreishaus und im Heimathaus in Oesterholz-Haustenbeck durchgeführt.

Der große Arbeitskreis traf sich zum ersten mal am 21.06.2005. Es wurde in der Sitzung dann ein kleiner Arbeitskreis gebildet. Dieser kleine Arbeitskreis begleitet die Maßnahme bis zum heutigen Tag und darüber hinaus bis zur endgültigen Fertigstellung der Maßnahme.

Bereits zwei Termine des kleinen Arbeitskreises am 14.08 und 26.09.2005 im Heimathaus Oesterholz führten zur Entwicklung eines Leitbildes und eines Handlungskonzeptes.

Das Leitbild zur Fürstenallee sieht die Wiederherstellung der historischen Allee aus Stieleichen mit den ursprünglichen Pflanzabständen (Kreuzverband mit 7,60 x 7,60 m) vor. Als Dokumenntations-bzw. Zeitzeugen bleiben markante fast 300-jährige Eichen stehen.

Die Sommerwege bleiben erhalten.

Neben der Fürstenallee soll auch für die Wallhecke an der Alleestraße und die ebenfalls naturdenkmalgeschützte Stieleichenallee zum ehemaligen Jagdschloss Oesterholz ein Entwicklungskonzept entwickelt werden.

Das Handlungskonzept sieht insgesamt drei räumliche Abschnitte vor.

1. Die Stieleichenallee entlang der Straße „Im kleinen Bruch“ von der Fürstenallee bis zur Zufahrt zum Kreisaltenheim

2. Abschnitt zwischen Finkenkrugstraße bzw. Haverkampsee und Haustenbecker Straße

3. Abschnitt Haustenbecker Straße bis zum Alleehof.

Über den gesamten Zeitraum wurde das Projekt vom Planungsbüro Kortemeier und Brokmann begleitend unterstützt.

Die 2. Sitzung zum großen Arbeitskreis am 24.11. 2005 bestätigte sowohl Leitbild und Handlungskonzept.

Gleichzeitig wurde die Maßnahme am 24.11.2005 vom Kreisumweltausschuss und am 19.12.2005 vom Kreistag Lippe, einstimmig, beschlossen.

Für die Umsetzung der Maßnahmen zur Fürstenallee werden insgesamt für den Zeitraum bis 2020 ca 950.000 € veranschlagt. Bei der Wiederbegründung der Stieleichenallee zum Kreisaltenheim fallen rd. 18.500 € an.

Am 13.03.2006 wurde die Umsetzungszeit um 10 Jahre durch den Kreistag verlängert (von zurzeit 20 Jahre auf 30 Jahre)

Die Federführung der Gesamtmaßnahme wird der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises Lippe übertragen.

Für die Akzeptanz in der Bevölkerung ist es wichtig, dass die Umsetzung auf einem zeitlichen und finanziell machbarem Konzept beruht.

Die Fürstenallee steht im Blickpunkt des öffentlichen Interesses, daher wird ein weiterer Schwerpunkt des Heimat-und Verkehsverein Oesterholz-Haustenbeck, mit Unterstützung des Kreises Lippe, die Öffentlichkeitsarbeit sein.

Ende 2006 wurden dann die ersten Eichen in der Seitenallee gefällt. Neue Eichen wurden im März 2007 in der Seitenallee gepflanzt.

Ab Herbst 2007 ging es mit dem Umbau der 2,5 km langen Fürstenallee weiter.

Inzwischen sind über 300 neue Eichen gepflanzt worden.

Die vorletzte Fällaktion fand in einem weiteren zweiten Abschnitt im Dezember 2011 statt. Bäume ab der Hermannstraße bis zum Aschenweg, bzw. Kreuzkrug wurden gefällt und im Frühjahr 2012 wieder angepflanzt.

Aktuell wurden zwischen Kreisaltenheim und demTrainingsgelände des Fahr- u. Kutschenverein Teutoburger Wald e.V. weitere Bäume gefällt. Die Neuanpflanzungen finden im Frühjahr 2012 statt.

Fritz Weitner                       Im Dezember 2012


 

 

Nach oben